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Historischer Ort
Der Heylshof befindet sich an einem der geschichtsträchtigsten Orte der Stadt Worms, unmittelbar nördlich des Doms. Bereits im Mittelalter lag hier der Wormser Bischofshof, der an die Kaiser- und Königspfalz angrenzte. An diesem Ort wohnte Kaiser Karl V. während des Reichstags von 1521, bei dem Martin Luther seine Schriften nicht widerrief. Der Bischofshof wurde 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Ein barocker Neubau aus dem frühen 18. Jahrhundert, an dessen Errichtung auch Balthasar Neumann beteiligt war, wurde während der Französischen Revolution erneut vernichtet. Danach blieb das Gelände unbebaut.
Das Gelände im Besitz der Familie Heyl
Im Jahr 1805 erwarb die Wormser Industriellenfamilie Heyl das Areal. Die Familie hatte durch die Lederindustrie großen wirtschaftlichen Erfolg erlangt und entwickelte sich zu einer der prägenden Kräfte des Wormser Bürgertums im 19. Jahrhundert. Mit dem Erwerb des ehemaligen Bischofshof-Geländes begann die Umformung eines einst kirchlich‑fürstlichen Ortes in einen großbürgerlichen Wohn‑, Repräsentations- und Kulturbereich.
Das Heylshof‑Schlösschen
1843 entstand am Schlossplatz ein Wohngebäude, das 1851 von der Familie Heyl übernommen und anschließend im klassizistischen Stil erweitert wurde. Das sogenannte Heylshof‑Schlösschen diente der Familie zunächst als städtischer Wohnsitz. Mit dem weiteren gesellschaftlichen Aufstieg und dem wachsenden Kunstbesitz reichten seine räumlichen Möglichkeiten jedoch bald nicht mehr aus. 1905 erhielt das Gebäude ein zusätzliches Geschoss und ein Mansarddach. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schlösschen stark beschädigt und in den 1960er‑Jahren wiederaufgebaut. Es befindet sich bis heute in Familienbesitz und wird teils gewerblich, teils privat genutzt.
Der Heylshof
Zwischen 1881 und 1884 ließ Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim unmittelbar neben dem Schlösschen ein neues, repräsentatives Stadthaus errichten: den Heylshof. Der Bau wurde vom Schweizer Architekten Alfred Friedrich Bluntschli im Stil des Neobarock entworfen. Der Heylshof war von Beginn an nicht nur als Wohnhaus gedacht, sondern als architektonischer Ausdruck gesellschaftlicher Stellung, kulturellen Selbstverständnisses und bürgerlicher Repräsentation. Das Gebäude war großzügig auf die Präsentation von Kunst und auf gesellschaftliche Anlässe ausgerichtet.
Der Heylshof als Kunsthaus
Cornelius Wilhelm von Heyl und seine Frau Sophie bauten im Heylshof eine bedeutende Kunstsammlung auf. Sie umfasst Gemälde, Kunsthandwerk, Porzellan, Glas, Keramik und Skulpturen aus mehreren Jahrhunderten, mit besonderen Schwerpunkten auf niederländischer und flämischer Malerei. Der Heylshof entwickelte sich zu einem kulturellen Treffpunkt, an dem Kunst, Geselligkeit und Mäzenatentum eng miteinander verbunden waren. Damit steht er beispielhaft für die Sammlungs- und Stiftungskultur des großbürgerlichen 19. Jahrhunderts.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Frühjahr 1945 wurde der Heylshof durch Luftangriffe schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg konnten nur das Souterrain und das Erdgeschoss erhalten werden. Die frühere Beletage sowie die reich gestaltete Dachlandschaft gingen verloren. Trotz der architektonischen Verluste blieb die ursprüngliche Funktion des Hauses als Kunst- und Sammlungsort gewahrt.
Stiftung, Museum und Park
Die Familie Heyl überführte Gebäude, Park und Sammlung in eine private Stiftung, um sie dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heute ist der Heylshof als Museum geöffnet und zählt zu den bedeutendsten Kunsthäusern in Rheinland‑Pfalz. Der angrenzende Heylshofpark verbindet Gartenkunst, Stadtgeschichte und Erinnerungskultur. Er markiert zugleich den historischen Ort des Wormser Reichstags von 1521 und schlägt eine Brücke zwischen mittelalterlicher Geschichte und bürgerlicher Kultur des 19. Jahrhunderts.
Museum Heylshof - Stiftung Kunsthaus Heylshof in Worms
Wikipedia - Heylshof
Eröffnung Kunsthaus Heylshof
24.05.1961 ∙ SWR Retro – Abendschau ∙ SWR